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Jacob Teitel (geb. 15. November 1850 in Tschornyj Ostriw, Russisches Kaiserreich) war Jurist und vor der bolschewistischen Revolution im Jahr 1917 der einzige jüdische Richter in Russland. Sein ganzes Leben lang vertrat er die Interessen der Menschen aus den ärmsten Schichten.

Während des russischen Bürgerkriegs wanderte er als politischer Flüchtling nach Berlin aus und gründete den „Verband russischer Juden in Deutschland”. Zudem gründete er eine Kindergruppe, in der Kinder unterschiedlicher religiöser und sozialer Hintergründe zusammenkommen sollten. Am 23. Dezember 1923 veranstalteten die Kinder der „Weltvereinigung der Kinderfreunde” in der Gormannstraße 3 am Rande des Scheunenviertels ihre erste Versammlung.

Die Kinder wurden von einem pädagogischen Team betreut, das ihnen im Rahmen reformpädagogischer Konzepte viel Freiheit bei der Zusammenstellung von Konzert- und Theaterabenden und anderen Veranstaltungen ließ. Die spätere Dichterin Mascha Kaléko und ihr erster Ehemann Saul Kaléko arbeiteten hier sowie der Kinderpsychologe Fischl Schneersohn.

Frida Ogler, ein Mitglied der Vereinigung, sagte zu Teitel: „Wir erleben hier grenzenlose Freiheit … und fühlen uns wie Bruder und Schwester.“ Die Vereinigung existierte bis zur NS-Machtübernahme im Jahr 1933. Danach wanderte Teitel nach Paris aus, wo er 1938 starb.

Quellen/Literatur:

  1. Elena Solominski: Helfen bedeutet Leben. Jacob Teitel und der Verband russischer Juden in Deutschland. 1920–1935, Hentrich & Hentrich, Berlin 2023.
  2. Elena Solominski: Jacob Teitel und die Weltvereinigung der „Kinder-Freunde“, Webseite der Waldorfschule Berlin-Mitte, URL: https://www.waldorfschule-mitte.de/jacob-teitel-und-weltvereinigung-kinder-freunde/.

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