Leo Baeck wurde am 23. Mai 1873 in Lissa als Sohn eines Rabbiners geboren. Er begann sein Studium am Rabbinerseminar in Breslau, bevor er nach Berlin wechselte, wo er an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und der Friedrich-Wilhelms-Universität studierte. Er promovierte 1895 über “Spinozas erste Einwirkungen auf Deutschland” und trat darauf eine Rabbinerstelle in Oppeln an. Er kehrte 1912 nach Berlin zurück, wo er als Gemeinderabbiner arbeitete und an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums lehrte.
Baeck übernahm verschiedene Ämter, darunter ab 1922 als Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbands sowie ab 1925 der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, und wurde – auch dank seines Talentes zur Vermittlung verschiedener Standpunkte – zunehmend zur zentralen Figur der jüdischen Gemeinde Berlins und ganz Deutschlands.
Als sich angesichts des zunehmenden antisemitischen Verfolgung 1933 verschiedenste jüdische Verbände zur Reichsvertretung der Deutschen Juden zusammenschlossen, wurde Baeck einstimmig zum Präsidenten gewählt. Dabei bemühte er sich sowohl um die Unterstützung der zunehmend verarmten jüdischen Bevölkerung als auch um die Ermöglichung der Auswanderung.
Baeck verblieb im Amt des Präsidenten auch nach der Zwangsvereinigung aller jüdischen Einrichtungen zur Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, die fortan den Nazi-Behörden unterstellt war. Trotz Möglichkeit entschied er sich, nicht zu emigrieren, um die deutschen Jüdinnen und Juden weiter zu unterstützen und ihre Auswanderung zu ermöglichen.
1943 wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er überlebte. Nach dem Krieg emigirierte er nach London und engagierte sich weiter politisch, unter anderem als Präsident der Weltunion für Progressives Judentum und als Professor am Hebrew Union College in den USA. Er starb am 2. November 1956 in London.
Das 1955 in Jerusalem, New York und London gegründete Leo-Baeck-Institut, das sich der Erforschung und Bewahrung des Erbes des deutschsprachigen Judentums widmet, ist nach ihm benannt.
Quellen/Literatur:
- Alexander Mühle/Arnulf Scriba/Thabea Lintzmeyer: Leo Baeck 1873–1956, Lebendiges Museum Online, URL: https://www.dhm.de/lemo/biografie/leo-baeck.
- Elias H. Füllenbach/Walter Homolka: Rabbiner Leo Baeck (Jüdische Miniaturen, Band 75), Hentrich & Hentrich, Berlin 2008.
- Über das LBI, Leo-Baeck-Institute New York Berlin, URL: https://www.lbi.org/de/about/.
