loader image

Saul Kaléko ist vor allem durch seine erste Frau bekannt, die berühmte Dichterin Mascha Kaléko die seinen Nachnamen auch nach der Scheidung als Künstlerinname beibehielt.

Saul war wie Mascha einer der vielen jüdischen Migrant:innen aus Zentral- und Osteuropa, die wegen der zahlreichen Kriege und Verfolgungen am Anfang des 20. Jahrhunderts nach Deutschland geflohen waren. Er stammte aus Eišiškės an der heutigen Grenze zwischen Litauen und Weißrussland und kam nach Berlin, um sein Studium fortzusetzen.

Schnell wurde er Sekretär des Verbandes Jüdischer Studentenvereine, der u.a. Stipendien und Unterstützung für seine mittellosen Mitglieder organisierte. Die Geschäftsstelle lag in der Auguststraße 17 – hinter der Neuen Synagoge –, wo auch Mascha für das Arbeiterfürsorgeamt der Jüdischen Gemeinde arbeitete.

Saul promovierte in Nationalökonomie, engagierte sich politisch, etwa in der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Poale Zion, schrieb für jüdische Publikationen und verfasste das Lehrbuch Hebräisch für Jedermann. Er war auch Teil des pädagogischen Teams in der Weltvereinigung der Kinderfreunde. Das Ehepaar Kaléko erreichte einen beeindruckenden sozialen Aufstieg und zog aus dem Scheunenviertel nach Charlottenburg. Doch die NS-Diktatur setzte die beiden massiv unter Druck. Die Kalékos ließen sich 1938 scheiden. Saul emigrierte nach Palästina und nannte sich fortan Shaul Barkali. Den Rest seines Lebens verbrachte er in Israel.

Quellen/Literatur:

  1. Anne-Christin Saß: Berliner Luftmenschen. Osteuropäisch-jüdische Migranten in der Weimarer Republik, Wallstein Verlag, Göttingen 2012, pp. 174–176.
  2. Elena Solominski: Helfen bedeutet Leben. Jacob Teitel und der Verband russischer Juden in Deutschland. 1920-1935, Hentrich & Hentrich, Berlin 2022, S. 84-89.
  3. Elena Solominski: Jacob Teitel und die Weltvereinigung der „Kinder-Freunde“, URL: https://www.waldorfschule-mitte.de/jacob-teitel-und-weltvereinigung-kinder-freunde/.
  4. Francis R. Nicosia (Hrsg.): Dokumente zur Geschichte des Deutschen Zionismus 1933–1941, Mohr Siebeck, Tübingen 2018, pp. 311–312.
  5. Shaul Barkali, in: Moderne hebräische Literatur, URL: https://library.osu.edu/projects/hebrew-lexicon/03645.php.
  6. Zeugenaussage von Dr. Schaul (Saul Kaleko) Barkali, Sammlung Ball-Kaduri. Zeitgenössische Zeugenaussagen und Berichte über den Holocaust an den Juden in Deutschland und Mitteleuropa. 1943-1960, URL: https://collections.yadvashem.org/en/documents/3549278.

Wir verwenden Cookies, um Ihr Nutzererlebnis zu verbessern.

Sie können Ihre Einstellungen hier verwalten.