Jüdische Welten im Herzen Berlins vor der NS-Diktatur.
Tauche ein in die Geschichte




Die Geschichte des jüdischen Berlins in Spandauer Vorstadt und Scheunenviertel
Heute ist davon kaum noch etwas zu sehen, aber die Spandauer Vorstadt und das Scheunenviertel waren einst ein Zentrum jüdischen Lebens in Berlin. Die Spandauer Vorstadt verdankt ihren Namen dem Spandauer Tor, einem Teil der Berliner Festungsanlagen im 17. Jahrhundert. Mit der S-Bahn zwischen Hackescher Markt und Alexanderplatz folgt man heute in etwa ihrem Verlauf.
Das Gebiet nördlich des Spandauer Tors, also außerhalb der Stadt, wurde Spandauer Vorstadt genannt.






Was hat das alles mit den Jüdinnen und Juden in Berlin zu tun?
Aufgrund von Gewalt und Vertreibungen gab es lange keine durchgängige jüdische Gemeinde in Berlin. 1671 wurden einige jüdischen Familien, die kurz vor der Vertreibung aus Wien standen, nach Brandenburg-Preußen eingeladen.
Da ihnen der Bau einer Synagoge verboten war, wurde zur ersten jüdischen Einrichtung der Spandauer Vorstadt ein Friedhof, den die Familien kurz nach ihrer Ankunft anlegten. Das Gebiet war nur dünn besiedelt und lag außerhalb der Stadtmauer, weswegen es sich als Stätte für den ersten jüdischen Friedhof Berlins besonders eignete. Dessen Überreste befinden sich heute in der Großen Hamburger Straße.
Eine Synagoge durfte erst 1714 in der Heidereutergasse gebaut werden. Sie verstärkte die Verbindung zwischen diesem Stadtgebiet und der jüdischen Bevölkerung.

Berlin wird zum Anzugspunkt für Jüdinnen und Juden
Viele Berliner Juden wohnten also am nördlichen Rand oder direkt außerhalb der Berliner Stadtmauer. Mit der Berliner Gesamtbevölkerung wuchs auch die der Spandauer Vorstadt, welche schnell ein Teil Berlins wurde. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts war die entscheidende Stadtgrenze die Akzisemauer, die die nördliche Grenze der Spandauer Vorstadt bildete – die heutige Torstraße.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts zogen infolge der Industrialisierung und der Emanzipation der Juden in Preußen immer mehr Jüdinnen und Juden nach Berlin. Als Staatsbürger durften sie zum ersten Mal ihren Wohnort frei wählen und das sich industrialisierende Berlin war durch seine vielen Arbeitsmöglichkeiten attraktiv.
Obwohl der jüdische Bevölkerungsanteil dort nie die Grenze von vier bis fünf Prozent der Gesamtbevölkerung Berlins überschritt, war das jüdische Leben in der Spandauer Vorstadt sehr präsent. Von Weitem konnte man die goldene Kuppel der 1866 eingeweihten Neuen Synagoge als Symbol der Jüdischen Gemeinde erkennen.



Grenadierstraße um die 1920er. Quelle: bpk/Kunstbibliothek/SMB, Fotograf: Willy Römer
Die Migration von Jüdinnen und Juden aus Osteuropa
Die meisten osteuropäisch-jüdischen Migrant:innen wollten in die USA, wofür sie durch Deutschland und häufig durch Berlin reisen mussten.


Von 1881 bis in die 1920er veranlasste eine Welle von antijüdischen Pogromen im Russischen Zarenreich viele Jüdinnen und Juden dazu, Osteuropa zu verlassen. Auch junge jüdische Studierende, die aufgrund diskriminierender Gesetze keinen Studienplatz im Zarenreich finden konnten, schrieben sich an deutschen Universitäten ein.
Einige blieben und ließen sich im Scheunenviertel nieder. Als im Ersten Weltkrieg die Seewege in die USA geschlossen wurden, wuchs die Zahl der osteuropäischen Jüdinnen und Juden in Deutschland.
Sie blieben jedoch eine Minderheit innerhalb einer Minderheit: Von den etwa 180.000 Juden und Jüdinnen, die Mitte der 1920er in Berlin lebten, stammten höchstens 50.000 aus Osteuropa. In Berlin lebten insgesamt vier Millionen Menschen.
Das Verhältnis zwischen deutschen und osteuropäischen Jüdinnen und Juden
Trotz vieler Hindernisse hatten sich deutsche Jüdinnen und Juden erfolgreich integriert. Ihre Muttersprache war Deutsch und die Formen der jüdischen Religion, die sie ausübten, waren nicht nur von der Mehrheitsgesellschaft beeinflusst, sondern zum Teil an diese angepasst.
Die osteuropäischen Jüdinnen und Juden brachten hingegen andere religiöse Bräuche und Sprachen mit sich. Viele deutsche Jüdinnen und Juden fürchteten, dass die Ankunft von fremd wirkenden jüdischen Migrant:innen zu einem Anstieg des Antisemitismus in der Mehrheitsgesellschaft führen würde. Dazu gab es generelle Vorurteile gegen die osteuropäischen Jüdinnen und Juden: sie seien kulturell rückständig, zu religiös, oder politisch radikal. Viele verkannten, dass auch osteuropäische Jüdinnen und Juden sehr unterschiedliche Lebensweisen mitbrachten.





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