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Glossar

Antisemitismus

Antisemitismus ist laut der verbreiteten Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) von 2016 „eine bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden, die sich als Hass gegenüber Jüdinnen und Juden ausdrücken kann. [Er] richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.“

Oft wird gesagt, der Antisemitismus ist der älteste Hass der Welt. Ressentiments gegen Jüdinnen und Juden und gegen ihre Religion gab es bereits in der Antike und im Mittelalter. Antisemitismus als Verschwörungsideologie und politische Bewegung entstand aber erst im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen des 19. Jahrhundert, in der Zeit der Emanzipation der Jüdinnen und Juden in vielen Ländern. Antisemiten bezeichneten sich selbst als solche, um sich von den alten Formen des Judenhasses abzugrenzen, die häufig eine religiöse Basis hatten. Der „moderne” Antisemitismus gab vor, „wissenschaftlich” fundiert zu sein, betrachtete die Jüdinnen und Juden nicht als religiöse Gruppe, sondern als Rasse, die in Europa fremd war, als „Semiten”. Der Begriff „Antisemitismus” wird heute oft als Dachbegriff benutzt, um verschiedene Formen von Hass, Diskriminierung, Gewalt gegen Jüdinnen und Juden zu beschreiben, auch historische Erscheinungen von antijüdischer Unterdrückung einbeziehend.

Aron haKodesh

Aschkenas, Aschkenasi, der (plural Aschkenasim)

Der Begriff „Aschkenas” ist das mittelhebräische Wort für die Region, die heute Nordostfrankreich und Teile des Rheinlands umfasst. Jüdinnen und Juden, die sich im Mittelalter in deutschsprachigen Gebieten niederließen, sowie deren Nachfahren, werden als „Aschkenasim” oder aschkenasische Jüdinnen und Juden bezeichnet. Durch zahlreiche Massaker und Vertreibungen im Mittelalter sind viele aschkenasische Jüdinnen und Juden weiter nach Osteuropa gezogen. Aschkenasische Jüdinnen und Juden bilden eine der größten jüdischen Kulturgruppen weltweit neben den Sephardim und Misrachim.

Assimilation (kulturell)

Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Anpassung” oder „Angleichung”. In einem gesellschaftlich-kulturellen Kontext meint es den Anpassungsprozess meist von einer Minderheit an die Mehrheitsgesellschaft, bei dem oftmals auch ein Teil der eigenen Identität und Kultur aufgegeben wird. Assimilation kann zum Beispiel das Erlernen der Sprache der Mehrheitsgesellschaft sowie das Annehmen von Werten und Bräuchen umfassen.

Bar Kochba, Bar Kochba Aufstand

Ab 132 n. d. Z. führte Simon bar Kochba einen jüdischen Aufstand gegen das Römische Reich, welches im Jahr 70 n. d. Z. Jerusalem erobert und den zweiten Tempel zerstört hatte. Bar Kochbas Aufstand dauerte einige Jahre an. Schlussendlich wurde die Region jedoch nochmals von den Römern erobert, woraufhin diese den Namen des Gebietes in Syria Palaestina änderten.

Als jüdische Sportvereine im 19. und 20. Jahrhundert gegründet wurden, bezogen sie sich oft auf „Bar Kochba” oder auf die „Makkabäer”, als Erinnerung an die physischen Leistungen von Jüdinnen und Juden während dieser jeweiligen Aufstände.

Bet haMikdasch

siehe Tempel

Bet Knesset

Bima, die

siehe Lesepult

Birkat Kohanim

Bundeslade

Hierin bewahrten die Israeliten laut der biblischen Überlieferung die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten auf. Sie befand sich im inneren Heiligtum des Tempels in Jerusalem. Die ursprüngliche Bundeslade ist im Laufe der Geschichte verlorengegangen.

Chaluzim, Hechaluz, der

Hechaluz war der Dachverband zionistischer Jugendorganisationen. Es gab mehrere chaluzische Organisationen europaweit.

Chanukka

Während dieses Winterfestes wird die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Folge des Makkabäer-Aufstands gegen die Fremdherrschaft der hellenistischen Seleukiden und ihre Unterstützer um 165 v.d.Z. gefeiert. Hierzu wird auf einem eigens dafür gedachten Leuchter, der Chanukkia, acht Tage lang jeden Abend eine Kerze gezündet. Das Fest fällt nach dem gregorianischen Kalender meist in den Monat Dezember.

Chasan

siehe Kantor

Chassidismus, Chassid, der (plural Chassidim)

Eine religiös-mystische Strömung innerhalb des Judentums, die während des 18. Jahrhunderts in Osteuropa entstand. Demnach soll das traditionelle Tora-Studium mit durch Musik und Tanz ausgedrückter Freude, sowie durch einen starken Einfluss kabbalistischer, also jüdisch-mystischer, Überlieferungen und Übungen, bereichert werden.

Diaspora

Von Griechisch „Zerstreuung“. Der Begriff beschreibt die Existenz einer Personengruppe außerhalb ihrer traditionellen Heimat.

Gabbai

Ein religiöses Amt. Ein Gabbai ist für den reibungslosen Ablauf des Gottesdienstes verantwortlich und unterstützt den Rabbiner/die Rabbinerin.

Halacha, die (plural Halachot)

Oft wird die Halacha als jüdisches Religions- oder Ritualgesetz beschrieben. Halachische Vorschriften betreffen jedoch nicht nur rein rituelle Zusammenhänge, sondern umschließen alle Lebensbereiche. Manche halachische Regeln lassen sich mehr oder weniger direkt aus der Tora und ihrer Auslegung ableiten, andere sind im Laufe der Zeit von Rabbinern (jüdische Geistliche/Gesetzesgelehrte) auferlegt worden.

Jiddisch

Jiddisch ist eine jüdische Sprache mit verschiedenen Dialekten, die mit dem Deutschen verwandt ist und ihren Ursprung im Deutschland des Mittelalters hat. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Jüdinnen und Juden hat im Laufe der Aufklärung im späten 18. und 19. Jahrhundert aufgehört, ihren Dialekt des Jiddischen zu sprechen. Deswegen ist Jiddisch seit dem 19. Jahrhundert ist vor allem als Sprache der osteuropäischen jüdischen Diaspora bekannt. Heute gibt es infolge der Schoa allerdings nur noch wenige Muttersprachler:innen. Geschrieben wird Jiddisch mit dem hebräischen Alphabet. Um das möglich zu machen – Hebräisch wird nämlich ohne Vokale geschrieben – besetzt man dabei einige Buchstaben mit Vokallauten.

Jom Kippur

auch Versöhnungstag

Der höchste Feiertag im Judentum. Es ist ein Tag der Einkehr, der Reue und des Fastens. Der Tag endet mit dem Blasen des Schofars.

Kabbala

Eine mystische Tradition innerhalb des Judentums, die während des Mittelalters entstand.

Kaddisch

Ein Gebet, das u. a. für Verstorbene gesagt wird, dem im Gottesdienst zudem eine strukturell-trennende Funktion zuteil kommt.

Kantor, Kantorin

auch Chasan, der

Ein Amt, das von eigens liturgisch-musikalisch ausgebildeten Jüdinnen und Juden im Gottesdienst übernommen wird. Oft dienen Kantoren und Kantorinnen als Vorbeter:innen, bzw. Vorsänger:innen.

Kaschrut, koscher

Die jüdischen Speisegesetze. Ist eine Speise erlaubt, wird sie als „koscher“ bezeichnet.

Kohen, der (plural Kohanim)

auch Cohen; Priester

Kohanim sind diejenigen Juden, in deren Familien die Abstammung von der Priesterklasse zu Zeiten des Tempelkultes in der männlichen Linie tradiert wird. Sie sprechen z.B. den Priestersegen. Im Reformjudentum ist diese Kategorie überholt.

Konservatives Judentum

Eine religiöse Richtung innerhalb des Judentums, die ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert hat. Das Wort ‘konservativ’ ist nicht mit seiner Bedeutung im politischen Kontext zu verwechseln, da es sich hierbei nicht um eine besonders strenge Bewegung handelt. Vielmehr sieht sich das Konservative Judentum zwischen Orthodoxie und Reform angesiedelt.

Laubhüttenfest

auch Sukkot-Fest.

Durch das siebentägige Laubhüttenfest gedenkt man der Zeit der biblischen Wüstenwanderung, während der das Volk Israel in einfachen Unterkünften wohnte. So ist auch das Verweilen in einer eigens dafür konstruierten, vergänglichen Hütte (einer Sukka) charakteristisch für das Fest. Sukkot findet im Herbst statt und wird auch in antiken jüdischen Quellen wie bei Philo von Alexandrien als Erntedankfest beschrieben.

Lesepult

auch Bima, die.

Das erhobene Pult, von dem öffentlich aus der Tora gelesen wird. Traditionell befindet es sich in der Mitte des Synagogenraumes. Seit dem 19. Jahrhundert haben viele Synagogen angefangen, die Bima am Ende ihres Gebetsraums zu stellen.

Lewit, der (plural Lewiten)

Die Lewiten unterstützten Kohanim (die Priester) beim Tempeldienst, als es diesen noch gab. Heute waschen sie beispielsweise einem Kohen rituell die Hände, bevor dieser für die Gemeinde den Priestersegen spricht. Lewiten sind diejenigen Juden, in deren Familien die Abstammung von den biblischen Lewiten in männlicher Linie tradiert wird. Im liberalen Judentum ist dieser Stand genauso überholt wie jener der Priester.

Liberales Judentum

Anfang des 20. Jahrhunderts war die liberale Auslegung des Judentums die vorherrschende jüdisch-religiöse Strömung in Deutschland. Der Begriff ‘liberal’ wird seit dem 19. Jahrhundert auch für die jüdische Reformbewegung genutzt, ist allerdings nicht zwingend mit dieser identisch, sondern beschreibt eine Vielfalt von nichtorthodoxen Richtungen, die neue Beziehungen zu den religiösen Gesetzen des Judentums (siehe Halacha) entwickelten.

Das liberale Judentum als religiöse Strömung betont den sich wandelnden Charakter des Judentums und dass der Prozess der Offenbarung noch nicht abgeschlossen ist. Die Tora wird als zentraler Text angesehen, der jedoch nicht unbedingt die höchste Autorität besitzt und dessen zeremonielle Gesetze den allgemeinen ethischen Grundsätzen weichen können.

Liturgie

Ordnung und Inhalt des Gottesdienstes.

Machsor, der (plural Machsorim)

Ein Machsor ist ein Gebetbuch, das speziell für einen bestimmten Feiertag gedacht ist.

Makkabäer (hebräisch Makkabi), Makkabäeraufstand

Die Makkabäer führten um 165 v.d.Z. den jüdischen Aufstand gegen die hellenistischen Seleukiden, die zu dieser Zeit über Judäa herrschten, und ihre Unterstützer. Schlussendlich gelang es ihnen, den jüdischen Tempel in Jerusalem – wo ein Zeus-Altar erbaut worden war – wieder einzuweihen. Das Chanukkafest erinnert an diese Ereignisse. Der Name „Makkabi” ist bis heute unter vielen zionistisch geprägten Vereinigungen verbreitet.

Mandatsgebiet Palästina

Ein Territorium unter britischer Herrschaft, welches geographisch den heutigen Staat Israel und kurzzeitig das Gebiet des heutigen Jordaniens umfasste. Nach der Eroberung des Gebiets durch Großbritannien 1917/18 bestand das Mandat von seiner Ratifizierung durch den Völkerbund im Jahr 1922 bis zur Staatsgründung Israels im Jahr 1948.

Megilla, die (plural Megillot)

Eine Megilla ist eine Buchrolle. Bekannt ist beispielsweise Megillat Esther, also das Buch Esther in Rollenform, welche an Purim gelesen wird. Es gibt insgesamt fünf Megillot, die zu besonderen Festzeiten gelesen werden.

Mikwe, die (plural Mikwe’ot)

Ein Ritualbad, welches Wasser aus natürlichen Quellen beinhalten muss. Das Untertauchen in der Mikwe ist ein Akt der rituellen Reinmachung. So werden Mikwen z.B. von jüdischen Frauen benutzt, die besondere Vorschriften einhalten, etwa nach der Menstruation. Auch bei Übertritten zum Judentum ist das Eintauchen in einer Mikwe bei den meisten religiösen Strömungen notwendig.

Misrach, Misrachi, der (plural Misrachim)

Jüdinnen und Juden, die aus afrikanischen, asiatischen, und insbesondere aus nahöstlichen und islamisch geprägten Gebieten stammen. „Misrach“ ist der hebräische Begriff für Osten. Misrachische Jüdinnen und Juden bilden eine der größten jüdischen Kulturgruppen neben den aschkenasischen und sephardischen Jüdinnen und Juden.

Mitzwa, die (plural Mitzwot)

Eine Mitzwa ist ein Gebot oder, besonders im umgangssprachlichen Sinne, eine gute Tat. Die im Judentum aus der Tora abgeleiteten Mitzwot, Ge- und Verbote, zählen insgesamt 613.

Orthodox

Auch bezeichnet als „gesetzestreu” oder „toratreu”. Die Orthodoxie ist eine Strömung innerhalb des Judentums, die sich in Abgrenzung zu den neuaufkommenden liberalen jüdischen Denominationen nach ihrem Festhalten an traditionellen Auslegungen der Tora definierte. Innerhalb der Orthodoxie gibt es unterschiedliche Bewegungen und Vielfalt bezüglich der Bräuche und der konkreten Auslegung mancher Vorschriften.

Pessach

Ein Frühlings- und Freiheitsfest, an dem der Auszug aus Ägypten gefeiert wird. Während dieser Zeit (8 Tage in der Diaspora) ist es Jüdinnen und Juden verboten, Gesäuertes (wie Brot, Nudeln, usw.) zu konsumieren und zu besitzen. Da Pessach in der Zeit der Gerstenernte in der Levante fällt, wird auch vermutet, Pessach habe seinen Ursprung auch als Erntefest.

Pogrom

Aus dem Russischen, „Verwüstung, Zerstörung“. Gewaltsame, von der Bevölkerung ausgehende, zumeist von der Staatsgewalt unterstützte Angriffe auf eine Gruppe (in der Regel eine Minderheit) und deren Eigentum.

Priestersegen

auch Birkat Kohanim oder Aaronitischer Segen.

Der Priestersegen (Numeri 6,24–26) wird von den Kohanim für eine Gemeinde in festgelegter Weise gesprochen.

Purim

Ein Fest, an dem Königin Esthers Rettung der jüdischen Bevölkerung vor einem geplanten Genozid im persischen Reich gefeiert wird. Das Buch Esther wird an diesem Tag öffentlich verlesen. Darüber hinaus ist es üblich, an Bedürftige zu spenden, sich gegenseitig Essen zu schenken, ein Festmahl zu veranstalten, und sich zu verkleiden.

Rabbinat

Das Amt oder der Sitz eines Rabbiners / einer Rabbinerin.

Rabbiner, Rabbinerin

Jüdische religiöse Gelehrte (seit den letzten Jahrzehnten: auch Frauen), deren Aufgabe es ist, die Tora zu lehren und sicherzustellen, dass (Gemeinde-)einrichtungen im Einklang mit religiösen Vorschriften geführt werden. Rabbiner:innen dienen zudem als Schlichter und Seelsorger für die Gemeinde.

Rabbinerseminar

Eine Einrichtung für die Ausbildung von Rabbinern.

Reformjudentum / Reformbewegung

Eine Strömung innerhalb des Judentums, die ihre Ursprünge im Deutschland des 19. Jahrhunderts hat. Sie zeichnet sich durch eine starke Hervorhebung der ethischen Gesetze des Judentumes aus, wobei die rituellen Gesetze als weniger bedeutend gelten und entkräftet werden können. Heute gilt sie als eine der größten Strömungen weltweit.

Rosch haSchana, Neujahrsfest

An Rosch haSchana beginnt nach dem hebräischen Kalender das neue Kalenderjahr. Laut der jüdischen Tradition wurde an diesem Tag Adam, der erste Mensch, erschaffen. Das Fest wird im Monat Tischri, nach dem gregorianischen Kalender meist im September oder Oktober, gefeiert.

Schabbat

Der siebte Wochentag, der im Judentum als Ruhetag begangen wird. Da die Tage nach dem hebräischen Kalender am Abend beginnen, beginnt der Schabbat kurz vor dem Sonnenuntergang am Freitagabend und endet am Samstag nach Einbruch der Dunkelheit.

Schoah, die; auch Holocaust

Wörtlich „Katastrophe, Untergang”; die hebräische Bezeichnung für den Genozid, auch als “Holocaust” bekannt, der Nationalsozialisten und ihrer Komplizen an Jüdinnen und Juden. In der Schoah wurden etwa zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung Europas ermordet.

Schofar, das

Ein Widder- oder Antilopenhorn. Es wird traditionell an Rosch haSchana und Jom Kippur geblasen.

Schul

Sepharad, Sephardi, der (plural Sephardim)

Der Begriff „Sepharad” ist das mittelhebräische Wort für die Region, die die iberische Halbinsel (Spanien und Portugal) umfasst und sephardische Jüdinnen und Juden sind die Nachfahren von Jüdinnen und Juden, die auf der iberischen Halbinsel im Mittelalter lebten. Ende des 15. Jahrhunderts wurden alle Jüdinnen und Juden von der iberischen Halbinsel vertrieben und ließen sich an unterschiedlichen Orten nieder, wie etwa Nordafrika, Italien, im Osmanischen Reich, aber auch in der Karibik, Nord- und Südamerika, den Niederlanden und Dänemark. Ihre Bräuche und Traditionen unterscheiden sich teils von denen der aschkenasischen Jüdinnen und Juden.

Sefer Tora

siehe Torarolle

Siddur, der (plural Siddurim)

Ein Siddur ist ein Gebetbuch.

Sukkot

Synagoge, die

auch Hebräisch Bet Knesset; oder Jiddisch Schul

Eine Synagoge ist ein jüdisches Gotteshaus, in dem Gottesdienste gehalten werden. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Versammlung“. Synagogen sind generell nach Jerusalem hin ausgerichtet.

Synagogenverein

Ein jüdisch-religiöser Verein, der regelmäßigen gemeinsamen Gottesdienst abhält, entweder in einem Gebetraum oder einer eigens dafür errichteten Synagoge.

Talmud, der

Ein Schriftwerk der jüdischen Tradition, welches Auslegungen der und Diskussionen über die konkrete Umsetzung der Gesetze, die sich aus der Tora ableiten lassen, beinhaltet. Der Talmud ist über mehrere Jahrhunderte in der Zeit nach der Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer entstanden. Der Talmud gilt als einer der zentralen Texte der jüdischen Religion.

Tempel

auch Bet haMikdasch.

Der Tempel beherbergte die Bundeslade und diente als Opferstätte. Er war somit das religiöse Zentrum der Israeliten der (Vor-) Antike. Es gab (nacheinander) zwei Tempel, die beide während Angriffe zerstört wurden. Das Hoffen auf den Wiederaufbau des Tempels ist in der traditionellen Liturgie tief verankert, wobei sich liberale Strömungen eher davon distanzieren. Reformgemeinden bezeichnen ihre Gotteshäuser oft als Tempel – dadurch soll deutlich werden, dass die Synagogen als Orte der Zusammenkunft in dieser Strömung den Tempel endgültig ersetzen.

Tora, die

Man unterscheidet zwischen schriftlicher und mündlicher Tora. Die schriftliche Tora umfasst die 5 Bücher Mose, die ersten fünf Bücher der hebräischen Bibel. Die mündliche Tora bezeichnet die Interpretations- und Kommentartraditionen, die um diesen Text herum entstanden sind, zunächst mündlich weitergegeben, aber teilweise auch verschriftlicht wurden. Die mündliche Tora entwickelt sich also ständig weiter, da Veränderungen von äußeren Umständen und technologische Fortschritte immer wieder neue Fragen aufwerfen. “Tora” wird manchmal auch als allgemeiner Begriff für die Gesamtheit der Schriften in der hebräischen Bibel verwendet.

Torarolle

auch Sefer Tora auf Hebräisch.

Eine Pergamentrolle, auf der die Tora per Hand niedergeschrieben wurde. Im Gottesdienst wird hieraus gelesen. Die Torarolle beinhaltet die ersten fünf Bücher der hebräischen Bibel, auch bekannt als die Fünf Bücher Mose.

Toraschrank

auch Aron haKodesch auf Hebräisch.

Hierin werden Torarollen in der Synagoge aufbewahrt. Normalerweise stehen sie an der Wand, die in Richtung Jerusalem zeigt.

Vorbeter, Vorbeterin

Ein Vorbeter trägt im Gottesdienst Gebete vor, allein oder im Wechsel mit der Gemeinde. Nach orthodoxem Verständnis kann diese Funktion nur von Männern erfüllt werden, da ein Vorbeter mindestens dieselben religiösen Pflichten haben muss wie die Zuhörenden. In liberalen Gemeinden gibt es diese Beschränkung nicht.

Zionismus

Der Zionismus entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Europa. Viele jüdische Menschen erlebten damals in ihren Ländern nicht nur immer stärkeren Nationalismus, sondern auch wachsenden Antisemitismus. Als Reaktion auf beides entwickelte sich die Idee, dass Jüdinnen und Juden ein eigenes Land brauchen, in dem auch sie selbstbestimmt und ohne Verfolgung leben können. Der Begriff „Zionismus“ zeigt, wo der richtige Ort dafür gesehen wurde: Er bezieht sich auf „Zion“, eine Metapher für Jerusalem und damit auf ein Gebiet, das im Judentum seit jeher eine wichtige Rolle spielt.

Der Zionismus war für einige Jüdinnen und Juden in Zentraleuropa eine neue und revolutionäre Art, sich selbst zu verstehen. Die seit dem 19. Jahrhundert verbreitete Auffassung der jüdischen Mehrheit, Jüdisch-Sein vor allem als Religion zu sehen, lehnten sie ab. Zionist:innen betonten dagegen: Jüdinnen und Juden bilden eine Nation, also ein Volk, und sollten deshalb die gleichen Rechte wie andere Nationen haben.

Der Zionismus war jedoch sehr vielfältig. Es gab sozialistische und bürgerliche Richtungen, konservative und marxistische Strömungen, sowie religiöse und säkulare Gruppierungen. Auch die politischen Ziele innerhalb der zionistischen Bewegung waren unterschiedlich. Ein gemeinsamer Gedanke vieler Zionist:innen war jedoch: Nach Jahrhunderten als verfolgte Minderheit wollten sie endlich in einem Land zusammen leben, in dem sie die Mehrheit stellten. Wichtig ist: Der Gedanke eines eigenen jüdischen Staates stand nicht von Anfang an fest. Erst ab den 1930er Jahren wurde er für fast alle Zionist:innen zum klaren Ziel; 1942 wurde es offiziell so festgelegt. 1948 – drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Schoah, dem Holocaust, – wurde schließlich der Staat Israel gegründet.

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