
Erinnerungslandschaft

Leo Baeck wurde am 23. Mai 1873 in Lissa als Sohn eines Rabbiners geboren. Er begann sein Studium am Rabbinerseminar in Breslau, bevor er nach Berlin wechselte, wo er an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und der Friedrich-Wilhelms-Universität studierte. Er promovierte 1895 über “Spinozas erste Einwirkungen auf Deutschland” und trat darauf eine Rabbinerstelle […]
Leo Baeck wurde am 23. Mai 1873 in Lissa als Sohn eines Rabbiners geboren. Er begann sein Studium am Rabbinerseminar in Breslau, bevor er nach Berlin wechselte, wo er an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und der Friedrich-Wilhelms-Universität studierte. Er promovierte 1895 über “Spinozas erste Einwirkungen auf Deutschland” und trat darauf eine Rabbinerstelle in Oppeln an. Er kehrte 1912 nach Berlin zurück, wo er als Gemeinderabbiner arbeitete und an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums lehrte.
Baeck übernahm verschiedene Ämter, darunter ab 1922 als Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbands sowie ab 1925 der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, und wurde – auch dank seines Talentes zur Vermittlung verschiedener Standpunkte – zunehmend zur zentralen Figur der jüdischen Gemeinde Berlins und ganz Deutschlands.
Als sich angesichts des zunehmenden antisemitischen Verfolgung 1933 verschiedenste jüdische Verbände zur Reichsvertretung der Deutschen Juden zusammenschlossen, wurde Baeck einstimmig zum Präsidenten gewählt. Dabei bemühte er sich sowohl um die Unterstützung der zunehmend verarmten jüdischen Bevölkerung als auch um die Ermöglichung der Auswanderung.
Baeck verblieb im Amt des Präsidenten auch nach der Zwangsvereinigung aller jüdischen Einrichtungen zur Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, die fortan den Nazi-Behörden unterstellt war. Trotz Möglichkeit entschied er sich, nicht zu emigrieren, um die deutschen Jüdinnen und Juden weiter zu unterstützen und ihre Auswanderung zu ermöglichen.
1943 wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er überlebte. Nach dem Krieg emigirierte er nach London und engagierte sich weiter politisch, unter anderem als Präsident der Weltunion für Progressives Judentum und als Professor am Hebrew Union College in den USA. Er starb am 2. November 1956 in London.
Das 1955 in Jerusalem, New York und London gegründete Leo-Baeck-Institut, das sich der Erforschung und Bewahrung des Erbes des deutschsprachigen Judentums widmet, ist nach ihm benannt.
Quellen/Literatur:

Die Krankenschwester und Sozialarbeiterin Beate Berger, geboren 1886 in Niederbreisig, war zuerst als Verkäuferin tätig, bevor sie mit Mitte 20 den Beruf als Krankenschwester wählte. Sie absolvierte 1912 ihre Ausbildung in Frankfurt und war Mitglied beim Frankfurter Jüdischen Schwesternverein. Im Ersten Weltkrieg versorgte sie Kriegsverletzte als Operationsschwester für das Deutsche Rote Kreuz. In den 1920er […]
Die Krankenschwester und Sozialarbeiterin Beate Berger, geboren 1886 in Niederbreisig, war zuerst als Verkäuferin tätig, bevor sie mit Mitte 20 den Beruf als Krankenschwester wählte. Sie absolvierte 1912 ihre Ausbildung in Frankfurt und war Mitglied beim Frankfurter Jüdischen Schwesternverein. Im Ersten Weltkrieg versorgte sie Kriegsverletzte als Operationsschwester für das Deutsche Rote Kreuz.
In den 1920er Jahren übernahm Beate die Leitung des jüdischen Waisenheims in der Auguststraße 14–16 und wurde von ihrer Schwester Else dabei unterstützt. Ihr jüngster Bruder Alfred war bereits seit 1918 in Berlin und leitete in der Auguststraße 17 das Arbeiterfürsorgeamt der Jüdischen Organisationen Deutschland. Dort bot er rechtliche Beratung für jüdische Migrant:innen an – etwa zu Passfragen, Aufenthaltsrecht, Steuer- und Wohnungsangelegenheiten. Ihr ältester Bruder Julius war der Leiter des Kölner Stadttheaters und später Generalsekretär der Zionistischen Weltorganisation.
Beate benannte das Heim 1924 in „Beit Ahawah“ (Hebräisch: Haus der Liebe) um. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten organisierte sie mit ihren drei Geschwistern die Ausreise der Heimkinder. Sie gründeten in Kirjat Bialik bei Haifa ein neues Heim unter dem Namen „Ahawah“. Und konnten über 100 der Heimkinder vor der Shoa retten. Die „Ahawah“ existiert bis heute in Israel als „Zuhause und Erziehungseinrichtung für Waisen und Kinder aus zerrütteten Familien.“
Quellen/Literatur:

Die Sozialwissenschaftlerin Cora Berliner (geb. 1. September 1923 in Hannover) war die erste weibliche Regierungsrätin in der deutschen Geschichte. Ihr Studium der Mathematik sowie der Staats- und Rechtswissenschaften in Berlin und Heidelberg schloss sie 1916 mit einer Promotion ab. Anschließend arbeitete sie jahrelang in der Schöneberger Stadtverwaltung und wurde sogar in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. In […]
Die Sozialwissenschaftlerin Cora Berliner (geb. 1. September 1923 in Hannover) war die erste weibliche Regierungsrätin in der deutschen Geschichte. Ihr Studium der Mathematik sowie der Staats- und Rechtswissenschaften in Berlin und Heidelberg schloss sie 1916 mit einer Promotion ab.
Anschließend arbeitete sie jahrelang in der Schöneberger Stadtverwaltung und wurde sogar in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. In London war sie als Wirtschaftsberaterin der deutschen Botschaft tätig, kehrte später nach Berlin zurück und wurde Professorin für Wirtschaftswissenschaften.
Nach der Machtübernahme der Nazis wurde sie als Jüdin aus dem Staatsdienst entlassen. Sie arbeitete fortan zusammen mit der Sozialarbeiterin Hannah Karminski im Jüdischen Frauenbund und im Fürsorgewesen der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. In diesem Kontext unterstützte sie insbesondere Mädchen und Frauen bei der Auswanderung.
Am 26. Juni 1942 wurde sie zusammen mit anderen Mitarbeiter:innen der Reichsvereinigung nach Minsk deportiert. Kurz danach wurde sie höchstwahrscheinlich im Vernichtungslager Maly Trostinez ermordet.
Quellen/Literatur:

Dora Diamant (geboren 4. März 1898 in Pabianice, Kongresspolen) kam aus einer chassidischen Familie in Polen. Sie hatte mehrere Konflikte mit ihren traditionellen Eltern und entschied sich für Berlin, wo sie Schauspielerin werden wollte. Im Berliner Scheunenviertel arbeitete sie im Jüdischen Volksheim, ein Begegnungs- und Weiterbildungsort mit zionistischer und sozialistischer Ausrichtung für osteuropäisch-jüdische Kinder und […]
Dora Diamant (geboren 4. März 1898 in Pabianice, Kongresspolen) kam aus einer chassidischen Familie in Polen. Sie hatte mehrere Konflikte mit ihren traditionellen Eltern und entschied sich für Berlin, wo sie Schauspielerin werden wollte. Im Berliner Scheunenviertel arbeitete sie im Jüdischen Volksheim, ein Begegnungs- und Weiterbildungsort mit zionistischer und sozialistischer Ausrichtung für osteuropäisch-jüdische Kinder und jüdische Erwachsene.
Dort lernte sie 1923 den Schriftsteller Franz Kafka kennen. Das Volksheim betrieb eine Ferienkolonie in Müritz an der Ostsee, wo Kafka zur gleichen Zeit im Urlaub war. Sie zogen in eine Wohnung in Berlin-Steglitz und Kafka vertiefte sein Wissen über und seine Verbindung zum Judentum zusammen mit Dora. Beide besuchten Kurse an der renommierten Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Dora verbrachte Kafkas letztes Lebensjahr mit ihm und war bis zu seinem Tod (3. Juni 1924) an seiner Seite.
Erst nach Kafkas Tod nahm ihre schauspielerische Karriere Fahrt auf. Gleichzeitig engagierte sie sich politisch, wurde Mitglied der KPD und heiratete den Chefredakteur der Roten Fahne Lutz Lask. 1932 kam die gemeinsame Tochter Franziska Marianne zur Welt.
Gleich zu Beginn der NS-Diktatur gab es eine Gestapo-Razzia (Geheimpolizei der NS-Diktatur) auf die Wohnung von Lask und Diamant. Es wird vermutet, dass einige Schriften und Briefe Kafkas, die Dora Diamant möglicherweise behalten hat, beschlagnahmt wurden. Bis heute werden sie im Bundesarchiv gesucht.
Lask und Diamant flohen in die Sowjetunion, wo Lask als Opfer der stalinistischen Säuberungen jahrelang im Gulag verschwand. Auf ihrer letzten Lebensstation gelangte es Dora, 1938 mit ihrer Tochter nach Großbritannien zu fliehen. Dort engagierte sie sich stark für die Bewahrung der jiddischen Kultur und Sprache bevor sie mit 54 Jahren verstarb.
Quellen/Literatur:

Die Pädagogin Paula Fürst, geboren am 6. August 1894 in Glogau, lebte ab 1906 mit ihrer Mutter in Berlin. Sie studierte Geschichte und Französisch und lernte an der Uni die Montessori-Pädagogik kennen. Die Idee, die individuelle Entwicklung von Kindern zu priorisieren, gefiel ihr und sie wurde Leiterin der ersten Montessori-Klasse in Wilmersdorf (1926). Mit der […]
Die Pädagogin Paula Fürst, geboren am 6. August 1894 in Glogau, lebte ab 1906 mit ihrer Mutter in Berlin. Sie studierte Geschichte und Französisch und lernte an der Uni die Montessori-Pädagogik kennen. Die Idee, die individuelle Entwicklung von Kindern zu priorisieren, gefiel ihr und sie wurde Leiterin der ersten Montessori-Klasse in Wilmersdorf (1926).
Mit der Machtübernahme des NS-Regimes (1933) wurde Montessori als „jüdische Pädagogik“ abgelehnt. Sie passte nicht zu dessen Werten von Uniformität und absolutem Gehorsam. Paula Fürst wurde der Job als Lehrerin gekündigt und sie übernahm die Leitung der privaten Theodor-Herzl-Schule, auf die jüdische Kinder geschickt wurden, um der Ausgrenzung in öffentlichen Schulen zu entkommen. Als 1938 auch die Privatschulen verboten wurden, wurde sie Leiterin der Schulabteilung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. Hier lernte sie ihre letzte Lebensgefährtin, die Sozialarbeiterin Hannah Karminski kennen.
Gemeinsam mit ihr organsierte Paula Fürst Fluchtmöglichkeiten für jüdische Kinder per Zug nach London. Über 10.000 Kinder konnten auf diese Weise gerettet werden. Sie selbst kehrte aus Pflichtgefühl gegenüber den zurückgebliebenen jüdischen Kindern nach Deutschland zurück. Im Juni 1942 wurde sie nach Minsk deportiert und vermutlich dort ermordet.
Seit 2015 erinnert ein Stolperstein vor ihrem Wohnhaus am Kaiserdamm an ihren Mut und ihre Geschichte.
Quellen/Literatur:

Alexander Granach (Geburtsname: Jessaja Szajko Gronach), geboren am 18. April 1890 in Werbowitz (Ostgalizien), kam 1906 als Bäckergeselle nach Berlin. Hier begann sich zunehmend für die Literatur- und jiddische Theaterszene Berlins zu interessieren. Nach ersten Auftritten in den kleinen jiddischen Theatern im Scheunenviertel wurde er von Max Reinhardt in seine Schauspiel-Schule am Deutschen Theater aufgenommen […]
Alexander Granach (Geburtsname: Jessaja Szajko Gronach), geboren am 18. April 1890 in Werbowitz (Ostgalizien), kam 1906 als Bäckergeselle nach Berlin. Hier begann sich zunehmend für die Literatur- und jiddische Theaterszene Berlins zu interessieren.
Nach ersten Auftritten in den kleinen jiddischen Theatern im Scheunenviertel wurde er von Max Reinhardt in seine Schauspiel-Schule am Deutschen Theater aufgenommen und dort Teil des Ensembles. Seine Schauspielkarriere, in der er sich durch sein expressionistisches Spiel einen Namen machte, musste er allerdings durch den Einzug ins Militär im Ersten Weltkrieg unterbrechen.
Nach Kriegsende spielte er zunächst in München und ab 1921 auch wieder in Berlin am Lessing-Theater und Schauspielhaus. Er wurde u.a. im politischen Theater sowie als “König der Ostjuden” im jiddischen Theater beliebt und ab 1919 außerdem auch als Filmschauspieler in Stummfilmen wie Nosferatu und später auch im Tonfilm einem breiten Publikum bekannt.
Weil ihm aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seines politischen Engagements die Verhaftung durch die Gestapo drohte, musste Alexander Granach 1933 fliehen. Zunächst führte es ihn nach Wien, dann Polen und schließlich in die Sowjetunion. Überall blieb er als Schauspieler und politisch aktiv, was 1937 zeitweise dazu führte, dass er wegen Spionageverdacht verhaftet wurde. Er erhielt glücklicherweise ein Visum für die Schweiz und emigrierte letzlich 1938 in die USA.
Hier war er vor allem als Filmschauspieler in Hollywood tätig. Ab 1944 fand er schließlich Anschluss an die Broadway-Szene, in der er bis zu seinem Tod 1945 tätig war.
Quellen/Literatur:

Die weltweit erste Rabbinerin Regina Jonas wurde am 3. August 1902 in Berlin geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Scheunenviertel auf. Wegen des frühen Todes ihres Vaters musste sie schon als Kind viel Verantwortung in ihrer Familie übernehmen. Sie studierte an der weltberühmten Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in der heutigen Tucholskystraße. In […]
Die weltweit erste Rabbinerin Regina Jonas wurde am 3. August 1902 in Berlin geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Scheunenviertel auf. Wegen des frühen Todes ihres Vaters musste sie schon als Kind viel Verantwortung in ihrer Familie übernehmen.
Sie studierte an der weltberühmten Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in der heutigen Tucholskystraße. In ihrer schriftlichen halachischen Arbeit (einer Prüfung über die religiösen Gesetze des Judentums) behandelte sie die Frage “Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“ und schrieb in ihrem Fazit: „Außer Vorurteil und Ungewohntsein… steht halachisch fast nichts dem Bekleiden des rabbinischen Amtes seitens der Frau entgegen.“
Auch nach ihrer Ordination 1935 wurde sie nicht überall anerkannt. Sie hielt zwar häufig Ansprachen und Vorträge, durfte aber kaum andere Funktionen übernehmen, obwohl sie laut einem Schreiben von Max Brasch an den Synagogenvorstand von vielen Gemeindemitgliedern für ihr Wissen und ihre Fähigkeiten gefeiert wurde: „Wir können es nicht begreifen, dass eine Dame als Rabbinerin mit solch rednerischer Begabung und tiefem Wissen nicht von der Kanzel der Neuen Synagoge predigen soll.“
Am 6. November 1942 wurde sie mit ihrer Mutter nach Theresienstadt deportiert, wo sie weiterhin ihren geistlichen Beruf ausübte. Am 12. Oktober 1944 wurde sie nach Auschwitz geschickt und dort ermordet.
Quellen/Literatur:

Der Schriftsteller Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag geboren. Er prägte die Literatur des 20. Jahrhunderts maßgeblich mit seinen oft absurd, rätselhaft und unheimlich erscheinenden Erzählungen. Dieser Stil wird heute als kafkaesk bezeichnet. Kafka wuchs in einer Geschäftsfamilie auf, sein Vater besaß ein Kurzwarengeschäft. Er selbst begann nach dem Jurastudium eine Karriere […]
Der Schriftsteller Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag geboren. Er prägte die Literatur des 20. Jahrhunderts maßgeblich mit seinen oft absurd, rätselhaft und unheimlich erscheinenden Erzählungen. Dieser Stil wird heute als kafkaesk bezeichnet.
Kafka wuchs in einer Geschäftsfamilie auf, sein Vater besaß ein Kurzwarengeschäft. Er selbst begann nach dem Jurastudium eine Karriere als Beamter und schrieb nur in seiner Freizeit. Inspiriert wurde er hierfür von seinen Besuchen im Theater, Kabarett, Kino, auf Reisen und von seiner Faszination für technische Neuerungen der Zeit.
1912 veröffentlichte Kafka sein erstes Buch und schrieb im selben Jahr “Das Urteil”. Zudem lernte er Felice Bauer kennen, mit der er kurzzeitig verlobt war und deren gescheiterte Beziehung ihn u. a. zu seinem wohl bekanntesten Werk “Der Prozeß” inspirierte. Auch die Erlebnisse des 1. Weltkriegs, zu dem er nicht einberufen wurde, flossen hier ein.
Zwischen 1915 und 1923 veröffentlichte er seine Erzählungen “Die Verwandlung” und “Vor dem Gesetz”, schrieb das autobiografische Werk “Brief an den Vater”, den Roman „Das Schloss“ und die Erzählung „Ein Hungerkünstler“.
Am 24. September 1923 zog Franz Kafka schließlich nach Berlin. Monate davor hatte er sich in Dora Diamant verliebt, eine aufstrebende jüdische Schauspielerin aus Polen, die im Jüdischen Volksheim im Berliner Scheunenviertel arbeitete. Die beiden bezogen zusammen eine Wohnung in Steglitz und studierten an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums (das Gebäude ist das heutige Leo-Baeck-Haus in der Tucholskystraße 9). Zu diesem Zeitpunkt sehr schwer an Tuberkulose erkrankt, konnte Kafka nur an guten Tagen die Wohnung verlassen. Trotzdem besuchte er Kurse zur hebräischen Sprache und jüdischen Geschichte.
Am 3. Juni 1924 starb Franz Kafka. Er verfügte in seinem Testament, dass alle seine Schriften vernichtet werden sollten, sein Freund Max Brod veröffentlichte seine Werke aber weiterhin. Während der NS-Zeit wurden seine Bücher verbrannt und seine drei Schwestern in Konzentrationslagern ermordet.
Quellen/Literatur:

Die Dichterin Mascha Kaléko war in der Weimarer Republik ein neuer Stern am literarischen Himmel Berlins, bis das Nazi-Regime ihrer jungen Karriere ein Ende setzte. Geboren am 7. Juni 1907 in Galizien, kam sie mit ihren Eltern als Kriegsflüchtling nach Deutschland und lebte ab 1918 im Berliner Scheunenviertel. Mascha arbeitete zunächst als Sekretärin im Arbeiterfürsorgeamt […]
Die Dichterin Mascha Kaléko war in der Weimarer Republik ein neuer Stern am literarischen Himmel Berlins, bis das Nazi-Regime ihrer jungen Karriere ein Ende setzte. Geboren am 7. Juni 1907 in Galizien, kam sie mit ihren Eltern als Kriegsflüchtling nach Deutschland und lebte ab 1918 im Berliner Scheunenviertel. Mascha arbeitete zunächst als Sekretärin im Arbeiterfürsorgeamt der Jüdischen Gemeinde in der Auguststraße 17, wo sie ihren ersten Ehemann Saul Kaléko kennenlernte.
Ihr erstes Werk Das lyrische Stenogrammheft (1933) wurde ein großer Erfolg. Das junge Ehepaar zog nach Charlottenburg. Mascha galt schnell als eines der neuen Talente der Berliner Literaturszene, die sich im Romanischen Café in Charlottenburg traf.
Doch die Nazis machten dem bald ein Ende. Die Ehe zerbrach. Saul zog ins britische Mandatsgebiet Palästina, Mascha heiratete den Komponisten und Musikwissenschaftler Chemjo Vinaver, behielt aber den Nachnamen Kaléko als Künstlerinnamen. 1938 konnte Mascha mit Vinaver und ihrem kleinen Sohn in die USA emigrieren und bezog eine Wohnung in der Minetta Street in Manhattan. Später zog sie mit Vinaver nach Jerusalem.
Nach dem Krieg fand sie in Deutschland wieder ein Lesepublikum. 1974 besuchte sie Berlin ein letztes Mal und hielt im September einen Vortrag in der Amerikanischen Gedenkbibliothek in Kreuzberg. Am 21. Januar 1975 starb die Dichterin an Magenkrebs.
Quellen/Literatur:

Saul Kaléko ist vor allem durch seine erste Frau bekannt, die berühmte Dichterin Mascha Kaléko die seinen Nachnamen auch nach der Scheidung als Künstlerinname beibehielt. Saul war wie Mascha einer der vielen jüdischen Migrant:innen aus Zentral- und Osteuropa, die wegen der zahlreichen Kriege und Verfolgungen am Anfang des 20. Jahrhunderts nach Deutschland geflohen waren. Er […]
Saul Kaléko ist vor allem durch seine erste Frau bekannt, die berühmte Dichterin Mascha Kaléko die seinen Nachnamen auch nach der Scheidung als Künstlerinname beibehielt.
Saul war wie Mascha einer der vielen jüdischen Migrant:innen aus Zentral- und Osteuropa, die wegen der zahlreichen Kriege und Verfolgungen am Anfang des 20. Jahrhunderts nach Deutschland geflohen waren. Er stammte aus Eišiškės an der heutigen Grenze zwischen Litauen und Weißrussland und kam nach Berlin, um sein Studium fortzusetzen.
Schnell wurde er Sekretär des Verbandes Jüdischer Studentenvereine, der u.a. Stipendien und Unterstützung für seine mittellosen Mitglieder organisierte. Die Geschäftsstelle lag in der Auguststraße 17 – hinter der Neuen Synagoge –, wo auch Mascha für das Arbeiterfürsorgeamt der Jüdischen Gemeinde arbeitete.
Saul promovierte in Nationalökonomie, engagierte sich politisch, etwa in der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Poale Zion, schrieb für jüdische Publikationen und verfasste das Lehrbuch Hebräisch für Jedermann. Er war auch Teil des pädagogischen Teams in der Weltvereinigung der Kinderfreunde. Das Ehepaar Kaléko erreichte einen beeindruckenden sozialen Aufstieg und zog aus dem Scheunenviertel nach Charlottenburg. Doch die NS-Diktatur setzte die beiden massiv unter Druck. Die Kalékos ließen sich 1938 scheiden. Saul emigrierte nach Palästina und nannte sich fortan Shaul Barkali. Den Rest seines Lebens verbrachte er in Israel.
Quellen/Literatur:

Hannah Karminski wurde am 24. April 1897 in Berlin geboren und wuchs in der Oranienburger Straße in der Nähe der Neuen Synagoge auf. Nach ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin und Sozialarbeiterin in Berlin und Hamburg arbeitete sie zunächst in einem Mädchenclub in Frankfurt am Main. Sie lernte dort die Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim kennen, durch die sie […]
Hannah Karminski wurde am 24. April 1897 in Berlin geboren und wuchs in der Oranienburger Straße in der Nähe der Neuen Synagoge auf. Nach ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin und Sozialarbeiterin in Berlin und Hamburg arbeitete sie zunächst in einem Mädchenclub in Frankfurt am Main. Sie lernte dort die Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim kennen, durch die sie zum Jüdischen Frauenbund und nach Berlin kam.
Hier engagierte sie sich für die „Blätter des Jüdischen Frauenbundes für Frauenarbeit und Frauenbewegung” und übernahm 1933 die Leitung des Jüdischen Frauenbundes. Mit dem Verbot jüdischer Organisationen 1938 wurde sie in der Reichsvertretung der deutschen Juden tätig und unterstützte mit Cora Berliner Jüdinnen und Juden bei der Ausreise. Zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Paula Fürst organisierte zudem die Rettung von jüdischen Kindern nach England.
Im November 1942 wurde sie von der Gestapo festgenommen, nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet.
Heute erinnert ein Stolperstein vor ihrem Wohnhaus in Berlin Mitte an sie.
Quellen/Literatur:

Der Arzt und Pädagoge Siegfried Lehmann wurde am 4. Januar 1892 in Berlin geboren. Nach einigen Zwischenstopps studierte er ab 1913 Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. Sein Studium führte er in Frankfurt an der Oder und Berlin fort, 1920 promovierte er mit dem Thema „Zur Prognose der geistigen Entwicklung bei kindlicher Epilepsie“. […]
Der Arzt und Pädagoge Siegfried Lehmann wurde am 4. Januar 1892 in Berlin geboren. Nach einigen Zwischenstopps studierte er ab 1913 Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. Sein Studium führte er in Frankfurt an der Oder und Berlin fort, 1920 promovierte er mit dem Thema „Zur Prognose der geistigen Entwicklung bei kindlicher Epilepsie“. Er setzte sein Studium in Frankfurt an der Oder und Berlin fort und promovierte 1920 mit einer Dissertation mit dem Titel „Zur Prognose der geistigen Entwicklung bei kindlicher Epilepsie“.
Siegfried Lehmann begann sich als Student zunehmend für seine jüdische Identität und die Ideen des Zionismus zu interessieren, besuchte im Sommer 1914 erstmals Palästina. Zwei Jahre später gründete er dann das „Jüdische Volksheim“## im Scheunenviertel, um Jüdinnen und Juden aus Osteuropa bei ihrer Ankunft in Berlin mit sozialen Angeboten zu unterstützen. Hier konnten junge Menschen beispielsweise Grundkenntnisse im Handwerk erlernen.
Aufgrund seines besonderen Engagements für Kinder und Jugendliche bekam der Arzt 1921 vom Jüdischen Nationalrat Litauen das Angebot, ein Kinderheim in Kowno aufzubauen. Hier betreute er auf Grundlage seines sozialpädagogischen Ansatzes und zusammen mit seiner ersten Ehefrau Annie Lehmann, rund 200 jüdische Waisenkinder.
In den 1920er Jahren entschloss er sich für eine pädagogische Weiterbildung und ging schließlich zusammen mit einer Jugendgruppe des Kinderheims und seiner zweiten Ehefrau, der Ärztin Rebecca Klawanska, nach Palästina, um dort den Jugendkibbuz Ben Schemen zu gründen. Hier kamen ab 1932 in Zusammenarbeit mit Recha Freier rund 500 Kinder und Jugendliche aus Europa unter, die vor dem NS-Regime fliehen mussten.
Quellen/Literatur:

Der Schauspieler, Theaterregisseur und -leiter Max Reinhardt (Geburtsname: Max Goldmann) wurde am 9. September 1873 in eine jüdische Familie in Niederösterreich geboren. Er absolvierte zuerst eine Ausbildung in einer Bank, bis er entschied sich dem Schauspiel zu widmen. 1894 kam er nach Berlin, um als Schauspieler im Deutschen Theater anzufangen. Bald darauf gründete er den […]
Der Schauspieler, Theaterregisseur und -leiter Max Reinhardt (Geburtsname: Max Goldmann) wurde am 9. September 1873 in eine jüdische Familie in Niederösterreich geboren. Er absolvierte zuerst eine Ausbildung in einer Bank, bis er entschied sich dem Schauspiel zu widmen.
1894 kam er nach Berlin, um als Schauspieler im Deutschen Theater anzufangen. Bald darauf gründete er den Verein “Die Brille” und das berühmte Kabarett „Schall und Rauch“. Zwischen 1900 und 1933 leitete er mehrere Theater in Berlin, unter anderem das Deutsche Theater, das Große Schauspielhaus und die Volksbühne, die er mit seinen visionären Ideen prägte. Außerdem war er eine Weile in Wien tätig und gründete die Salzburger Festspiele mit, bei denen er bis 1937 bekannte Aufführungen inszenierte.
Nach der Machtübernahme der Nazis floh er zunächst nach Österreich. Nach dem Anschluss im Jahr 1938 musste er in die USA auswandern, wo er in Hollywood eine Schauspielschule gründete.
Quellen/Literatur:

Jacob Teitel (geb. 15. November 1850 in Tschornyj Ostriw, Russisches Kaiserreich) war Jurist und vor der bolschewistischen Revolution im Jahr 1917 der einzige jüdische Richter in Russland. Sein ganzes Leben lang vertrat er die Interessen der Menschen aus den ärmsten Schichten. Während des russischen Bürgerkriegs wanderte er als politischer Flüchtling nach Berlin aus und gründete […]
Jacob Teitel (geb. 15. November 1850 in Tschornyj Ostriw, Russisches Kaiserreich) war Jurist und vor der bolschewistischen Revolution im Jahr 1917 der einzige jüdische Richter in Russland. Sein ganzes Leben lang vertrat er die Interessen der Menschen aus den ärmsten Schichten.
Während des russischen Bürgerkriegs wanderte er als politischer Flüchtling nach Berlin aus und gründete den „Verband russischer Juden in Deutschland”. Zudem gründete er eine Kindergruppe, in der Kinder unterschiedlicher religiöser und sozialer Hintergründe zusammenkommen sollten. Am 23. Dezember 1923 veranstalteten die Kinder der „Weltvereinigung der Kinderfreunde” in der Gormannstraße 3 am Rande des Scheunenviertels ihre erste Versammlung.
Die Kinder wurden von einem pädagogischen Team betreut, das ihnen im Rahmen reformpädagogischer Konzepte viel Freiheit bei der Zusammenstellung von Konzert- und Theaterabenden und anderen Veranstaltungen ließ. Die spätere Dichterin Mascha Kaléko und ihr erster Ehemann Saul Kaléko arbeiteten hier sowie der Kinderpsychologe Fischl Schneersohn.
Frida Ogler, ein Mitglied der Vereinigung, sagte zu Teitel: „Wir erleben hier grenzenlose Freiheit … und fühlen uns wie Bruder und Schwester.“ Die Vereinigung existierte bis zur NS-Machtübernahme im Jahr 1933. Danach wanderte Teitel nach Paris aus, wo er 1938 starb.
Quellen/Literatur:

Chemjo Vinaver (born July 10, 1900 in Warsaw, Congress Poland) came from a prominent Warsaw Hasidic family. He studied music in Warsaw and Berlin and initially became choirmaster of the Berlin Friedenstempel in Halensee and later a choirmaster of the Jewish Community of Berlin. Zu Beginn der NS-Zeit gründete er den a-cappella-Männerchor Hanigun, der sich […]
Chemjo Vinaver (born July 10, 1900 in Warsaw, Congress Poland) came from a prominent Warsaw Hasidic family. He studied music in Warsaw and Berlin and initially became choirmaster of the Berlin Friedenstempel in Halensee and later a choirmaster of the Jewish Community of Berlin.
Zu Beginn der NS-Zeit gründete er den a-cappella-Männerchor Hanigun, der sich vor allem aus jüdischen Sängern zusammensetzte, die aus den deutschen Opernhäusern ausgeschlossen worden waren. Vinaver brachte viel von der chassidischen Musiktradition seiner Familie in seine Arbeit als Chorleiter ein. Er interessierte sich auch für die Musiktraditionen der weltweit verstreuten jüdischen Gemeinden und brachte mit seinem Chor nicht nur Klassiker der deutschen Synagogenmusik zur Aufführung, sondern auch Lieder des jemenitischen Judentums und der verschiedenen sephardischen Musiktraditionen. Dazu schrieb er zahlreiche Aufsätze und Bücher über die Geschichte der jüdischen Musik und ihre vielfältigen Traditionen.
Vinaver war auch der zweite Ehemann der berühmten Berliner Dichterin Mascha Kaléko. 1938 gingen sie mit ihrem Sohn Steven ins Exil in die USA. Vinaver arbeitete weiterhin als Komponist in New York und später in Israel, wo er 1973 starb.
Quellen/Literatur:

Gertrud Weil, geborene Welkanoz (1888 in Berlin) gehörte zum Kreis junger deutschen Jüdinnen und Juden, der sich um den Medizinstudenten Siegfried Lehmann bildete. Gemeinsam gründeten sie 1916 das Jüdische Volksheim in der Dragonerstraße 22 (heute Max-Beer-Straße 5) im Scheunenviertel in der Spandauer Vorstadt. Es war eine Art Jugendtreff für osteuropäisch-jüdische Kinder, aber auch viel mehr […]
Gertrud Weil, geborene Welkanoz (1888 in Berlin) gehörte zum Kreis junger deutschen Jüdinnen und Juden, der sich um den Medizinstudenten Siegfried Lehmann bildete.
Gemeinsam gründeten sie 1916 das Jüdische Volksheim in der Dragonerstraße 22 (heute Max-Beer-Straße 5) im Scheunenviertel in der Spandauer Vorstadt. Es war eine Art Jugendtreff für osteuropäisch-jüdische Kinder, aber auch viel mehr als das. Laut Gertrud war es „eine Stätte, in der jüdisches Leben leibhaften Ausdruck fand, denn hier trafen sich Westler und Ostjuden, Gebildete und Unwissende, Menschen jeglichen Alters“. Durch den Kontakt und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe entwickelte sich dort eine „glückliche gegenseitige Assimilation, wie sie unser Grenzdasein gebot.“
Obwohl Gertrud die längste Zeit Leiterin des Volksheims war und mehrere Aufsätze über dessen Arbeit in verschiedenen Publikationen veröffentlichte, wird ihr Beitrag zum Volksheim oft nur am Rande erwähnt oder komplett ignoriert. Dabei sagten Zeitgenoss:innen wie Gershom Scholem über sie, sie sei die „unbestrittene Zentralfigur“ gewesen. Laut Scholem: „Sie schien mir die einzige ausgebildete Sozialarbeiterin, doch darin irrte ich mich, denn von Beruf war sie Angestellte bei einer großen Bank, und tatsächlich gab es unter den Freiwilligen keine einzige professionelle Mitarbeiterin. Ihre großen Kenntnisse waren aber nichts im Vergleich zu dem ungeheuren Einfluss, ja Zauber, den [Gertrud] menschlich auf all diese Mädchen ausübte.“ Heute steht am ehemaligen Standort des Volksheims eine Gedenktafel, auf der Gertrud nicht einmal erwähnt wird.
Mit ihrem Ehemann Ernst Weil konnte sie vor den Nationalsozialisten nach England fliehen, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte.
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